Sinkendes Volumen bezahlter Arbeit: Resultierend aus der steigenden Arbeitsproduktivität und dem geringen wirtschaftlichen Wachstum sinkt das Volumen bezahlter Arbeit. Während 1990 ein Erwerbstätiger im Durchschnitt 1620 Stunden p.a. arbeitete, sind es heute noch ca. 1400 Stunden p.a. 2010 wird ein Beschäftigter wahrscheinlich durchschnittlich ca. 1350 Stunden p.a. bezahlt tätig sein.
Zweiteilung des Arbeitsmarktes nach Qualifikationsstand: Heute schon sichtbar und in Zukunft weiter verschärfend wird sich der Arbeitmarkt zweiteilen. Auf der einen Seite besteht eine hohe Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitskräften. Hochqualifiziert ist jedoch nicht unbedingt mit dem besten Qualifikationsabschluss gleichzusetzen, sondern entspricht dem Vorhandensein eines erfolgskritischen Wissens. Dieses zeichnet sich vor allem durch einen hohen Einfluss auf den Leistungserstellungsprozess und/oder einen hohen Grad an Einzigartigkeit aus. Die steigende Nachfrage nach erfolgskritischem Wissen ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass in Deutschland mehr und mehr wissensintensive Produkte und Dienstleistungen hergestellt werden. Wissen und damit die Wissensträger werden zum knappen Gut.
Auf der anderen Seite besteht eine geringe Nachfrage nach niedrigqualifizierten Arbeitskräften. Niedrigqualifiziert bedeutet in erster Linie das Nicht-Vorhandensein erfolgskritischen Wissens. Es ist davon auszugehen, dass in Zukunft die Anzahl der Arbeitsplätze, die unkritisches Wissen erfordern, weiter abnehmen wird, da diese entweder verlagert oder durch den Einsatz von Technologien ersetzt werden. Zwar dürften z.B. durch das Outsourcing von haushaltsnahen Dienstleistungen positive Beschäftigungseffekte erzielt werden, diese können aber die negativen Beschäftigungswirkungen aus Rationalisierung und Verlagerung nicht vollständig kompensieren.
Auch wenn keine Wenn-Dann-Beziehung zwischen formaler Qualifikation und dem Vorhandensein von erfolgskritischem Wissen besteht, ist es wahrscheinlich, dass Personen mit einer guten Qualifikationsstruktur eher zu den Trägern von erfolgskritischem Wissen gehören. Dieses Signal scheint von der Gesellschaft auch wahrgenommen zu werden. Denn eine Änderung der Qualifikationsstrukturen als Reaktion auf die Entwicklung zum zweigeteilten Arbeitsmarkt ist zu beobachten. Die Anzahl derjenigen, die keinen Berufsabschluss haben, nimmt kontinuierlich ab, während die Zahl derjenigen, die nach einer hohen Formalqualifikation streben, stetig steigt. Damit wird deutlich, dass sich der Arbeitsmarkt in einem enormen Spannungsfeld bewegt, das sich in den nächsten Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit noch verstärken wird.