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Wandel der Arbeitswelt - Teil 2:
Die Zweiteilung des Arbeitsmarktes
Von Jutta Rump
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird sich in den kommenden Jahren nicht nennenswert entspannen: Das Arbeitskräfteangebot und die Arbeitsproduktivität nehmen zu, das wirtschaftliche Wachstum bleibt gering. Die Schere zwischen Hoch- und Niedrigqualifizierten geht weiter auseinander.
Wachsendes Arbeitskräfteangebot: Ein verändertes Rollenverständnis, ein steigendes Qualifikationsniveau und hohe Lebenshaltungskosten führen dazu, dass immer mehr Frauen eine stärkere Berufsorientierung aufweisen. Daher wird sich die Erwerbsbeteiligung von Frauen bis 2010/2012 von derzeit 64% auf rund 75% erhöhen. Wird ein mittleres Bevölkerungsszenario mit einem positiven Wanderungssaldo von 200.000 p.a. zu Grunde gelegt, werden zudem schätzungsweise 1,5 bis 1,6 Millionen Personen zuwandern. Unter der Prämisse, dass die durchschnittliche Erwerbsquote der im Bundesgebiet lebenden Ausländer ca. 50% beträgt, wird sich die Gruppe der ausländischen Erwerbspersonen bis zum Jahr 2011/2012 um ca. 750.000 bis 800.000 vergrößern. Daraus resultiert, dass das Arbeitskräfteangebot von derzeit 40,3 Millionen auf 41,2 Millionen Erwerbspersonen zunehmen wird.

Steigende Arbeitsproduktivität: Seit vielen Jahren ist in Deutschland eine steigende Arbeitsproduktivität zu verzeichnen - die Basis für unseren Wohlstand. Denn ohne Produktivitätszuwächse lägen die Löhne und Gehälter heute noch bei einigen wenigen Euro je Stunde. Es gibt jedoch auch eine Kehrseite: Je mehr ein Mitarbeiter pro Stunde produziert, desto weniger Arbeitsstunden werden für dieselbe Arbeitsmenge benötigt. Gelingt es den Unternehmen nicht, den Absatz ihrer Produkte ebenso schnell zu erhöhen, wie die Arbeitsproduktivität wächst, werden immer weniger Arbeitsstunden und damit letztlich weniger Mitarbeiter benötigt.

Geringes wirtschaftliches Wachstum: Nur durch Wachstum, das größer als die Produktivitätszuwächse ausfällt, kann neue Beschäftigung entstehen. Für Deutschland gilt seit den Sechzigerjahren, dass die Produktivität schneller steigt als die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts. So betrug in den letzten zehn Jahren die Wachstumsrate im Durchschnitt 1,5% p.a., während die durchschnittlichen Arbeitsproduktivitätszuwächse bei 2,2% p.a. lagen.
Sinkendes Volumen bezahlter Arbeit: Resultierend aus der steigenden Arbeitsproduktivität und dem geringen wirtschaftlichen Wachstum sinkt das Volumen bezahlter Arbeit. Während 1990 ein Erwerbstätiger im Durchschnitt 1620 Stunden p.a. arbeitete, sind es heute noch ca. 1400 Stunden p.a. 2010 wird ein Beschäftigter wahrscheinlich durchschnittlich ca. 1350 Stunden p.a. bezahlt tätig sein.

Zweiteilung des Arbeitsmarktes nach Qualifikationsstand: Heute schon sichtbar und in Zukunft weiter verschärfend wird sich der Arbeitmarkt zweiteilen. Auf der einen Seite besteht eine hohe Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitskräften. Hochqualifiziert ist jedoch nicht unbedingt mit dem besten Qualifikationsabschluss gleichzusetzen, sondern entspricht dem Vorhandensein eines erfolgskritischen Wissens. Dieses zeichnet sich vor allem durch einen hohen Einfluss auf den Leistungserstellungsprozess und/oder einen hohen Grad an Einzigartigkeit aus. Die steigende Nachfrage nach erfolgskritischem Wissen ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass in Deutschland mehr und mehr wissensintensive Produkte und Dienstleistungen hergestellt werden. Wissen und damit die Wissensträger werden zum knappen Gut.

Auf der anderen Seite besteht eine geringe Nachfrage nach niedrigqualifizierten Arbeitskräften. Niedrigqualifiziert bedeutet in erster Linie das Nicht-Vorhandensein erfolgskritischen Wissens. Es ist davon auszugehen, dass in Zukunft die Anzahl der Arbeitsplätze, die unkritisches Wissen erfordern, weiter abnehmen wird, da diese entweder verlagert oder durch den Einsatz von Technologien ersetzt werden. Zwar dürften z.B. durch das Outsourcing von haushaltsnahen Dienstleistungen positive Beschäftigungseffekte erzielt werden, diese können aber die negativen Beschäftigungswirkungen aus Rationalisierung und Verlagerung nicht vollständig kompensieren.

Auch wenn keine Wenn-Dann-Beziehung zwischen formaler Qualifikation und dem Vorhandensein von erfolgskritischem Wissen besteht, ist es wahrscheinlich, dass Personen mit einer guten Qualifikationsstruktur eher zu den Trägern von erfolgskritischem Wissen gehören. Dieses Signal scheint von der Gesellschaft auch wahrgenommen zu werden. Denn eine Änderung der Qualifikationsstrukturen als Reaktion auf die Entwicklung zum zweigeteilten Arbeitsmarkt ist zu beobachten. Die Anzahl derjenigen, die keinen Berufsabschluss haben, nimmt kontinuierlich ab, während die Zahl derjenigen, die nach einer hohen Formalqualifikation streben, stetig steigt.  Damit wird deutlich, dass sich der Arbeitsmarkt in einem enormen Spannungsfeld bewegt, das sich in den nächsten Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit noch verstärken wird.

Zur Autorin
Dr. Jutta Rump ist Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der Fachhochschule Ludwigshafen am Rhein. Neben ihrer Tätigkeit als Vizepräsidentin der Fachhochschule Ludwigshafen (Bereich Forschung und Technologietransfer) leitet sie das hauseigene Institut für Beschäftigung und Employability und ist Mitglied des Vorstandes des gemeinnützigen Vereins "Wege zur Selbst GmbH".
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